ein Programm von: beratungsgruppe.at

Aufsuchendes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit
in bildungs- und sozialbenachteiligten Migrantinnenfamilien


 
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Die Wirkungen aus Sicht der Tutorinnen

Mit den Tutorinnen wurden strukturierte Interviews zur Programmwirkung durchgeführt. Hier ist eine Auswahl ihrer Eindrücke:

  • „Die Frauen wissen, ich kann in dieser Gruppe bequem alles sagen. Die anderen sagen es nicht weiter. Sie haben Vertrauen. Aber auch draußen tratschen sie weniger und hören ganz anders zu, wenn eine Freundin etwas sagt.“
  • „Die Frauen merken, dass andere Meinungen hilfreich sind, um Lösungen zu finden. Zb eine hat gesagt, dass sie oft nicht schlafen kann und dann spazieren geht in der Nacht und dann sogar laut schreit, wenn niemand da ist und dass sie dann viel ruhiger ist. Dann hat gleich eine andere gesagt, das versuche ich auch.“
  • „Die Frauen haben schon gelernt, dass sie den anderen in der Gruppe gut zuhören und nicht gleich dazwischenreden. Und sie machen sich schön wenn sie die Gruppe treffen. Sie schauen mehr auf ihr Äußeres, auf die Kleidung und Frisur. Es freut sie, Komplimente zu hören.“
  • „Ich merke Veränderungen im Verhalten, zB wenn ich vorschlage, gemeinsam wohin zu gehen. Sie machen mit, obwohl zB es in einer Zeit ist, wo die Kinder gerade nach Hause kommen. Die Mütter beginnen jetzt etwas für sich zu machen. Die Frauen haben schon überlegt, dass sie nicht immer alles machen, was die Kinder wünschen und sie haben darüber gesprochen, was besser ist, als einfach nur nein sagen. Eine Idee war, dem Kind zwei Vorschläge machen, die für die Mutter gut sind, und dann kann das Kind wählen.“
  • „Mein Eindruck ist, dass sie sich weniger aufopfern zB für die Kinder, jetzt sagen sie schon öfters, sie wollen nicht nur geben, geben, geben.“
  • „Jetzt merken die Frauen schon, wir können alles machen. Die Frauen wollen Schule machen, alle wollen etwas lernen, das hat 'Aktion Gesunde Seele' gebracht. Wenn eine etwas gelernt hat, ist sie Vorbild für die anderen, dann wollen die anderen auch.“
  • „Dadurch, dass in der Gruppe über alles gesprochen wird, werden die Frauen bestärkt, etwas zu tun, zB arbeiten gehen. Einige haben schon begonnen als Putzfrau.“
  • „Es bringt, dass die Frauen, sich gegenüber ihren Männern mehr durchsetzten.“
  • „Die Frauen trauen sich jetzt schon allein ohne Mann oder irgendeine Begleitung zB in die Schule zu gehen und nach den Noten zu fragen oder zum Arzt gehen. Im Dorf, wo es keine Öffis gibt, fahren sie jetzt schon allein mit dem Ortstaxi. Früher wollten sie nicht, weil sie nicht mit einem fremden Mann - dem Chauffeur - im Auto sitzen wollten.“
  • „Viele Frauen denken jetzt schon, dass ihre Kinder nicht ihnen gehören, dass die Kinder richtige Persönlichkeiten sind - kein Besitz! Sie denken, da müssen wir mehr aufpassen.“
  • „Frauen setzen kleine Schritte, zB haben sich einige Frauen nach der Exkursion ins Rathaus der Gemeinde und in die Bibliothek einen Büchereiausweis ausstellen lassen und gehen jetzt alleine hin.“
  • „Am Anfang waren sie zu österreichischen Leuten sehr kalt, aber auch zu den eigenen wie zB zu mir, wie ich das erste Mal dort im Ort war. Jetzt tauschen sie zB untereinander Bücher aus, die sie aus der Bibliothek ausleihen. Jetzt laden sie sich unter einander und auch mich und eine österreichische Lehrerin sogar nachhause ein.“

Inhalte, Themen und Übungen kommen gut an

In den Teamgesprächen wurden die Berichte der Tutorinnen über die Müttertreffen protokolliert:

  • Im 1. Müttertreffen hat die Tutorin den Text vorgelesen, die Teilnehmerinnen haben aufmerksam zugehört und immer wieder zustimmend genickt – „Ja, das bin ich…“

  • Das erste Treffen ist so gut verlaufen, dass eine Freundin einer Teilnehmerin, die ihr davon erzählt hat, darum gebeten hat, auch am Programm teilnehmen zu dürfen.

  • Bei der Übung 'Als wär’s ein Bild von mir' (gezeichnet und vor der Gruppe erläutert):
    Eine Frau, die sich beim letzten Treffen heftig ausgeweint hat, hat sich als Baby gezeichnet. Auf Nachfrage der Tutorin erklärte sie, dass das für sie einen Neuanfang bedeutet.
    Eine andere Teilnehmerin hat sich als Blume gezeichnet, denn sie ist verletzlich und braucht Zuwendung.

  • Die Frauen erzählen sehr viel, sowohl aus ihrer Vergangenheit, als auch von ihren Erwartungen und Vorstellungen bezüglich ihrer Zukunft.

  • Einige berichten, dass sie schon sehr jung, mit 16 Jahren, mit einem in Österreich lebenden Mann verheiratet wurden. Darüber sind diese Frauen bis jetzt sehr traurig.

  • Eine Mütterrunde hat darauf bestanden, dass das Treffen auch an einem Fenstertag (Freitag) stattfindet, obwohl die Kinder schulfrei hatten.

  • Eine Teilnehmerin hat am Morgen eine schlechte Nachricht aus der Türkei erhalten. Obwohl sie sehr traurig war, ist sie zum Müttertreffen gekommen, um dort in Gesellschaft zu sein und sich abzulenken.

  • Einige Frauen haben darüber berichtet, dass ihre Ehemänner sie überreden wollten, bei ihnen zuhause zu bleiben. Als die Frauen aber lieber zum Müttertreffen gehen wollten, wollten die Männer wissen, worüber sie bei diesen Treffen sprechen.

  • Eine Teilnehmerin hat erzählt, dass sie jetzt nach mehr als 15 Ehejahren zum ersten Mal ihrem Ehemann den Geschlechtsverkehr verweigert hat. Dieser war sehr erstaunt darüber, dass sie 'nein' gesagt hat.

  • Eine Frau hat erzählt, dass ihr Mann sie seit der Geburt der Kinder in einer anderen Rolle sieht. Sie ist für ihn seither nur noch Mutter und Hausfrau. Dass sie jetzt aktiver ist und an den Mütter- und Gruppentreffen teilnimmt, ist für ihn überraschend.






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last update: 13.08.2012