ein Programm von: beratungsgruppe.at

Aufsuchendes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit
in bildungs- und sozialbenachteiligten Migrantinnenfamilien


 
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Bedarf und Motivation der Teilnehmerinnen

In Interviews mit den Tutorinnen wurden Angaben zur Zielgruppe hinterfragt:

Auf die Frage 'Was sind die Gemeinsamkeiten der Teilnehmerinnen bezüglich ihrer psychischen und sozialen Gesundheit?' kamen folgende Antworten:

  • „Beim Ansprechen habe ich bemerkt, dass wenn ich das Programm präsentiert habe, wollten sie gleich mitmachen. Ich habe gesehen, dass Bedarf da ist. Schon beim ersten Kennenlernen – es war ganz leicht."
  • „Ich habe gar nicht viel erklären müssen. Die Mütter wollen sich alle aussprechen und das Vertrauen war gleich da.“
  • „Alle haben Stress, egal ob sie zu Hause sind oder arbeiten. Zuhause sein und die Kinder - das macht großen Stress und nicht Deutsch reden können, das auch. Viele Frauen - hier in Wien geboren - sind aber trotzdem unzufrieden. Sie denken 'wohin gehöre ich?', weil die Familie – Vater und Mutter – lebt ganz anders. Das macht auch unzufrieden.“
  • „Viele fühlen sich nicht gut, haben Depressionen. Viele, obwohl sie Deutsch können, haben kein Selbstvertrauen.“
  • „Die Frauen fühlen sich isoliert.“
  • „Sie sind nicht wirklich sozial. Sie haben Angst etwas Falsches zu sagen oder zu machen. Sie trauen sich nicht, selbstständig in die Gesellschaft zu gehen - egal ob bei Österreicherinnen oder in der Community. Da trauen sie sich nicht ehrlich über ihre Situation zu reden. Jetzt in der Gruppe sind sie schon offener. Zum Beispiel erzählen sie, dass es nicht ihre Entscheidung war, zu heiraten und nach Österreich zu kommen. Sie haben den Mann gar nicht gekannt, aber denken, weil es ein Verwandter ist, wird es schon passen.“
  • „Die Frauen haben Angst vor sozialen Kontakten und meinen, dass es 'gefährlich' ist, sich mit Fremden - auch solchen aus der Community - anzufreunden. Die Frauen haben ständig Angst vor ihren Männern, dass die schimpfen, wenn sie soziale Kontakte haben oder zB in einen Deutschkurs gehen. Aber oft ist das gar nicht so.“

Eine weitere Frage an die Tutorinnen bezog sich u.a. auch auf die hohe Teilnahmefrequenz: 'Wie motiviert sind die Frauen, regelmäßig teilzunehmen?'

  • „Wenn sich die Frauen in der Gruppe wohlfühlen, dann mache ich die Frauen gleich neugierig auf das nächste Thema. So wie wir sagen: 'Wir geben warmes Brot'. Ich habe auch gemerkt, dass die Frauen motivierter sind, wenn ich sie vorher nicht kenne. Wenn die Leute einander fremd sind, ist es besser. Bei Fremden fällt es auch mir leichter zu sagen: 'Ich bin so wie Ihr, ich habe auch viel lernen müssen.' Das geht nicht so gut im privaten Kreis.“

  • „Erstens ist es wichtig, dass die Frauen nicht mit anderen Sachen zu tun haben, wie zB Tee oder Essen servieren. In den Mütterrunden von 'Aktion Gesunde Seele' geht es nur darum, über wichtige Themen zu sprechen. Zweitens, es kommen nur die Frauen zusammen, die Interesse an diesen Themen haben. Selbst können sie so eine Gruppe nicht finden.“

  • „Die Frauen fühlen sich durch das, was die anderen sagen bestätigt und bestärkt. Sie sammeln Ideen für sich. Sie sind motiviert weil sie neugierig sind. Sie könnten zwar in der Mappe lesen, was kommt, aber das tun sie nicht – das ist die Wahrheit – tut mir leid.“

  • „Die Frauen sind bis oben mit ihren Sorgen vollgefüllt. Sie kennen die anderen in ihrem Dorf, aber sie sagen höchstens 'hallo'. Aber sie brauchen das Reden miteinander und bei den Themen von 'Aktion Gesunde Seele' kommen sie mit allen Problemen heraus und jede merkt, dass die Anderen die gleichen Probleme haben. Das schafft Vertrauen und sie halten jetzt mehr zusammen.“

Auch mit den Teilnehmerinnen wurden strukturierte Interviews durchgeführt und ausgewertet:

(Mehrfachangaben waren möglich)




 

 

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last update: 13.08.2012