ein Programm von: beratungsgruppe.at

Aufsuchendes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit
in bildungs- und sozialbenachteiligten Migrantinnenfamilien


 
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Arbeitsweise und Projektelemente

Aktion Gesunde Seele  (kurz: agese) arbeitet aufsuchend direkt im Wohnumfeld der Zielpersonen mit geschulten, zielgruppennahen Multiplikatorinnen und einem eigens entwickelten niederschwelligen Info-Material.

Im Rahmen des Projektes wurde das gleichnamige Programm Aktion Gesunde Seele  (Mental-Health-Promotion-Program) vom Verein beratungsgruppe.at entwickelt und es wird im Jahr 2012 in einem 6 Monate langem Programmdurchlauf mit mindestens 150 Teilnehmerinnen in Wien und niederösterreichischen Gemeinden im Wiener Umland durchgeführt.

Settings

Aktion Gesunde Seele  arbeitet:
  • im lokalen Setting der Zielpersonen und Familien: Angesprochen werden potentielle Teilnehmerinnen im Wohnviertel (Grätzel), in Kindergärten, Schulen, auf Märkten, in Einkaufszentren, MigrantInnenvereinen (Moscheen) etc. Betreut werden die Teilnehmerinnen in Mütterrunden, die jeweils bei einer der Teilnehmerinnen zuhause stattfinden.
  • im sozialen Setting: Es ist dadurch gegeben, dass die Projektmitarbeiterinnen zielgruppennahe und geschulte Multiplikatorinnen aus der Community sind, die den Frauen 'auf gleicher Augenhöhe' begegnen und sie dort aufsuchen, erreichen und abholen, wo sie sich befinden
  • im Familiensetting: Die Frauen/Mütter werden vorerst über ihr Interesse für das Wohlergehen ihrer Kinder erreicht und  in der Folge für die Wechselwirkungen zwischen ihrem eigenen Befinden und dem Wohlergehen ihrer Kinder sensibilisiert
  • im Gruppensetting: Die Betreuung findet in Kleingruppen mit jeweils 4-5 Teilnehmerinnen statt.

Das Programm orientiert sich an den Empfehlungen der WHO und setzt bei den unteren beiden Ebenen an:

Aufsuchende Arbeitsweise - 'Geh-Struktur' mit zielgruppennahen Betreuerinnen

Angesprochen, über das Projekt informiert und betreut werden die Frauen von geschulten Multiplikatorinnen aus der Zielgruppe, den sogenannten 'Tutorinnen'.

Um als Vertrauenspersonen akzeptiert zu werden, haben die Tutorinnen eine möglichst große Nähe zur Zielgruppe, und zwar sozial und kulturell. Sie sind selbst Mütter und Migrantinnen, haben eine ähnliche Sozialisation erfahren wie die Zielgruppe, kennen den Lebensstil und die Lebensverhältnisse auch aus eigener Erfahrung.

Die Tutorinnen arbeiten im angestellten Dienstverhältnis bei beratungsgruppe.at, haben bereits im Jahr 2010 die zertifizierte Qualifizierung "Beratung, Betreuung und Elternbildung im interkulturellen Zusammenhang“ erfolgreich abgeschlossen, im Projekt "Gesundheit kommt nachhause" (GEKONA) umfangreiche Praxis erworben und im Rahmen von "Aktion Gesunde Seele" eine weitere Schulung mit dem Titel "Interkulturelle Kommunikation in schwierigen psychosozialen Lebenszusammenhängen" erfolgreich absolviert.

Niederschwelliges Info-Material

Die Teilnehmerinnen bekommen eigens entwickeltes Material, in dem die wichtigsten Faktoren psycho-sozialer Gesundheit mit ihren Wechselwirkungen ganzheitlich und entsprechend der Lebenswelten der Zielpersonen erläutert werden.

Das Material ist in 2 große Teile gegliedert: Es gibt einen Text, der auch in türkischer Übersetzung vorliegt, und der sich in erzählerischer, beschreibender Form mit der Lebenssituation der Teilnehmerinnen auseinandersetzt. Damit korrespondierend beinhaltet der zweite Teil Anregungen und Übungen. Wenn es zum Beispiel im Text um das Thema Stress geht, dann werden im zweiten Teil des Materials leicht verständliche Anleitungen zu Entspannungsübungen angeboten.

Betreuuung in häuslichen Mütterrunden - Gruppensetting schafft Vertrauensräume

Die Teilnehmerinnen werden in Kleingruppen - den 'Mütterrunden' - von den Tutorinnen betreut, wobei bei der Zusammenstellung der Gruppen Wohngegend und Interessenslagen (Alter, Zahl und Alter der Kinder etc.) der 4-5 Teilnehmerinnen berücksichtigt werden. Unter Anleitung und mit Unterstützung der Tutorinnen wird das Material durchgearbeitet. Gesundheitsfördernde Verhaltensänderungen werden reflektiert und angeregt. Bei Bedarf und auf Wunsch bekommen die Teilnehmerinnen von den Tutorinnen Info-Material zu Beratungs- und Betreuungseinrichtungen, das vom Steuerungsteam zusammengestellt wird. Jede Mütterrunde findet, abgesehen von den Ferienzeiten, alle 14 Tage bei jeweils einer der Teilnehmerinnen zuhause statt und dauert mindestens 2 Stunden.

Diese Kleingruppen haben für die Förderung der psychischen und sozialen Gesundheit besonders große Bedeutung, denn in den Mütterrunden ist für die Frauen, die vorher doch sehr isoliert gelebt haben, Gelegenheit, die Erfahrung der 'gemeinsamen Betroffenheit' zu machen. Wenn den Frauen bewusst wird, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind, und sie erst einmal beginnen, offen in der Gruppe darüber zu sprechen, dann können sie einander auch dabei unterstützen, Lösungen zu finden. Die Mütterunden sind 'Vetrauensräume', in denen sich neue Sozialkontakte entwickeln, die ganz wesentlich und nachhaltig das psychische Wohlbefinden verbessern.

Ein wesentlicher Faktor in den Mütterrunden ist die 'Partizipation der Zielgruppe', denn es sind vor allem die Teilnehmerinnen selbst, die mit den von ihnen eingebrachten eigenen Erfahrungen die Bewusstwerdungsprozesse ganz wesentlich mitgestalten. Auch wirken die Teilnehmerinnen als Multiplikatorinnen in ihren Familien und in der Community. Dies erweitert die Programmzielgruppe mindestens um jene Personen (Kinder, Väter, Großeltern), die im gemeinsamen Haushalt leben.

Einen wesentlichen Beitrag im Sinne von "Informal community care" (siehe WHO-Grafik) leisten auch die zum Programm gehörenden und von den Tutorinnen begleiteten Workshops (Gruppentreffen) mit ReferentInnen und Exkursionen, die zusätzlich zu den Mütterrunden im 14-Tage-Rhythmus stattfinden. Bei diesen Aktivitäten wird der Bedarf der Teilnehmerinnen ganz besonders berücksichtigt. So gibt es zum Beispiel Workshops zum Thema "Frau sein mit Leib und Seele" mit einer (türkischsprachigen) Hebamme und Psychotherapeutin i.A. als Referentin oder Exkursionen in öffentliche Bibliotheken und zu anderen Bildungs-, Kultur- und Freizeitangeboten.

Das Projektteam ist sehr gut mit Beratungsstellen vernetzt, die auf die Arbeit mit Migrantinnen spezialisiert sind, wie auch mit öffentlichen Einrichtungen und relevanten AkteurInnen. Dies erleichtert die Planung von Workshops und Exkursionen ganz wesentlich.
   
Durch die Workshops und Exkursionen wird den Teilnehmerinnen der Zugang zu öffentlichen Angeboten erleichtert und sie werden dadurch auch animiert, eigenständig Initiativen zu setzen, die ihre Lebenssituation verbessern.

Empowerment

Durch Wissensvermittlung und Bewusstwerdungsprozesse erfahren die Teilnehmerinnen Empowerment, das sie in die Lage versetzt, ihr Verhalten und den Lebensstil zu verändern, in Familie und Community hineinzuwirken und somit auch die Lebensverhältnisse schrittweise zu verbessern.





(c) 2012: beratungsgruppe.at
last update: 13.08.2012